Bochum VI

Ich schreibe nochmals das Standesamt in Bochum an.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

auf mein Schreiben hin, bekam ich von Ihnen ein Formschreiben zugeschickt. Darin wird darauf hingewiesen, dass Ahnenforschung kein rechtliches Interesse begründet.

Schon in meinem Anschreiben hatte ich darauf hingewiesen, dass ich kein Ahnenforscher bin, sondern Historiker, der sich wissenschaftlich mit der NS-Zeit befasst. Meine Anfrage bezog sich auf ein NS-Opfer, dass in Auschwitz ermordet wurde, d.h. vor 1945. Die Deportation nach Auschwitz erfolgte von Drancy/Paris aus im September 1942. Man muss also davon ausgehen, dass Ruth Kronenberg sehr bald später ermordet wurde.

Das Schicksal ihrer Eltern ist bislang noch ungewiss. Da sie aber im 19. Jahrhundert geboren worden sein dürften, können auch sie nicht mehr leben. Geschwister sind nicht bekannt.

Nach meinen Recherchen gibt es mithin niemanden, der mir eine Vollmacht ausstellen könnte, weil die Menschen, nachweisbar im Falle von Ruth Kronenberg (s. beiliegende Kopie aus dem Gedenkbuch in Koblenz) im Nationalsozialismus ermordet wurden.

Meine Recherchen haben ein ehrendes Andenken an Ruth Kronenberg zum Ziel. Bislang ist jedoch kein amtliches Dokument einsehbar, dass die Existenz von Ruth Kronenberg bezeugen würde. Ich vermute ein solches im Standesamt Bochum.

Ich möchte Sie dringend bitten, Mittel und Wege zu suchen (etwa durch eine Übergabe entsprechender Urkunden an das Stadtarchiv, um die datenschutzrechtlichen Belange zu gewährleisten?; etwa durch Kontaktierung vorgesetzter Stellen?), um eventuell vorhandene Unterlagen über eine ns-verfolgte Person, die durch maßgebliche Mithilfe deutscher Behörden in Auschwitz ermordet wurde, zugänglich zu machen.

Bei meiner Bitte um Mithilfe handelt es sich also nicht um “Ahnenforschung“, sondern um die Aufklärung des Schicksales ns-verfolgter und ermordeter Menschen, sehr wahrscheinlich sogar Bochumer Bürger.

Ich würde eine Unterstützung meines Anliegens sehr begrüßen.

Mit freundlichen Grüßen

Anlage: Auszug aus dem Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter NS-Herrschaft/Bundesarchiv Koblenz“

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