Europa I

Vorweg: Geschichte wiederholt sich nicht. Und: historische Vergleiche hinken immer. Aber: ich recherchiere die kurze Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin in der NS-Zeit, die ihre Heimat verließ, flüchten musste, um zu überleben. Dieser Fluchtversuch endete in Auschwitz.

Nach 1945 flossen diese Erfahrungen in unser Grundgesetz mit ein. U.a. führten sie zu dem Artikel 16a, der zu den 19 Artikeln gehört, die die Grundrechte definieren: Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

Im Moment habe ich den Eindruck, als sei die Gegenwart der noch düstere Hintergrund, vor dem ich die Geschichte zu Ruth Kronenberg recherchiere.

Als schaffe Europa sich genau in dem Moment ab, als dieser Artikel zum ersten Mal nach dem Ende des II. Weltkriegs einer ernsthaften Belastungsprobe unterzogen wird.

Angela Merkel sagte gestern vor dem Europäischen Parlament in Straßburg: „Niemand verlässt seine Heimat freiwillig.“ Und: „Wir dürfen jetzt nicht in nationalstaatliches Handeln verfallen.“ Und vor wenigen Wochen: „Wenn wir anfangen, uns zu entschuldigen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, ist das nicht mein Land.“

Es ist zwar ein Problem der EU, aber eben auch ein deutsches. Ich messe dieses Land und die EU auch daran, wie sie mit der aktuellen Flüchtlingssituation umgehen, ob dieses Land und die EU sich glaubwürdig ihrer historischen Verantwortung stellen.

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