Wiedergutmachung 3

Dieses Beamtendeutsch …

Warum angenommen werden muss, dass Ruth Kronenberg in Auschwitz ermordet wurde? Antwort: „… es gilt daher die Vermutung nach § 180, Absatz 1, BEG, da auch nach dem 8.5.1945 kein Lebenszeichen von ihr gekommen ist, dass sie am 8.5.1945 verstorben ist“.

Mit Ende des Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 verstorben? Das ist natürlich Unsinn. Aber der entsprechende § 180 liest sich so:

1) Hat der Verfolgte seinen letzten bekannten Aufenthalt im Reichsgebiet nach dem Stande vom 31. Dezember 1937, im Gebiet der Freien Stadt Danzig oder in einem vom Deutschen Reich oder seinen Verbündeten beherrschten oder besetzten Gebiet gehabt und ist sein Aufenthalt seit dem 8. Mai 1945 unbekannt, so wird vermutet, dass er am 8. Mai 1945 verstorben ist, es sei denn, dass nach dem Verschollenheitsgesetz oder nach anderen Rechtsvorschriften bereits ein anderer Zeitpunkt des Todes festgestellt worden ist.“

Verschollenheitsgesetz?

Verschollen ist so etwas wie Vor-Tod. Ist aber auch geregelt:

„(1) Verschollen ist, wessen Aufenthalt während längerer Zeit unbekannt ist, ohne dass Nachrichten darüber vorliegen, ob er in dieser Zeit noch gelebt hat oder gestorben ist, sofern nach den Umständen hierdurch ernstliche Zweifel an seinem Fortleben begründet werden.

(2) Verschollen ist nicht, wessen Tod nach den Umständen nicht zweifelhaft ist.“

Dann gehen wir mal davon aus, dass, wenn das Deportationsziel Auschwitz ist, der Tod von Ruth Kronenberg „nach den Umständen nicht zweifelhaft ist“.

Wenigstens ist das schon mal geregelt …

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