Visa de Sortie

Lese z.Zt. Anna Seghers Roman „Transit“. Mir ist, als schlüge der Roman ständig Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Als sei das Vergangene auf geradezu unheimliche Art und Weise gegenwärtig geworden:

„Letzte Woche habe man ihm das Visa de Sortie gewährt, er warte jetzt Tag und Nacht auf die Verlängerung des Kontraktes, die ja dann ihrerseits die Verlängerung des Visums bedinge. Die aber sei die Vorbedingung für die Gewährung des neuen Transits. Ich fragte verwirrt, was das bedeute: Visa de Sortie? … Er sagte: ‚Das ist die Erlaubnis, Frankreich zu verlassen. …‘ – ‚Welche  Zweck soll das haben, Menschen zurückzuhalten, die doch nichts sehnlicher wünschen, als ein Land zu verlassen, in dem man sie einsperrt, wenn sie bleiben?‘ … ‚Die Deutschen lassen sich nicht die Gelegenheit nehmen, die Menschen durchzukontrollieren, die aus Europa abziehen. …‘ ‚Gut. Gut. … was hat das für eine Bedeutung mit dem Transit?‘ Er sagte: ‚ … Ein Transit – das ist die Erlaubnis, ein Land zu durchfahren, wenn es feststeht, dass man nicht bleiben will.‘“

Quelle: Anna Seghers, Transit, Konstanz 1948, S. 52f.

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