Gurs/Garde

Ein paar Tage sind vergangen. Ich hatte eine Freundschaft mit einer jungen Kölner Jüdin namens Ruth …, die viele französische Freunde hatte. Sie zitierte die Namen von Joe Bousquet und Roger Gilbert Lecomte, bekannten literarischen Männern, und hoffte, dank ihrer Verwandten bald freigelassen zu werden.

Quelle: Garde (Gerda Michaelis/Groth), Mes années avec Soutine, Paris 1973, S. 109

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Keine Spur

Habe in den ‚Tagebuchaufzeichnungen‘ (Joe Bousquet, Papillon de neige. Journal 1939-1942, Lagrasse 1987) von Bousquet geblättert. Ruth Kronenberg wird darin nicht mit Namen erwähnt. Es ist aber auch kein Tagebuch im üblichen Sinne, sondern eine Textsammlung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden ist.

Verbindungen

Ubac soll in Köln geboren sein. Aber als 9jähriger zog er mit seinen Eltern bereits 1919 von Frankfurt kommend nach Malmedy (Belgien).

Bousquet hat in Carcassonne gelebt!

Zufall? Künstlerbekanntschaften? Ist das der Grund, warum sie nach Carcassonne gingen?

Bousquet/Ubac

Nach den Mitteilungen des Schriftstellers Ralph Dutli, versuchten insbesondere der Schriftsteller Joë Bousquet und der Maler Raoul Ubac die beiden Frauen freizubekommen.
 
Ralph Dutli (über ihn: https://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Dutli) hat einen Roman über Soutine verfasst (Soutines letzte Fahrt, Göttingen 2013).

Erster Kontakt

Gerda Michaelis lernt Ruth Kronenberg erst in Gurs kennen. Sie schreibt, dass Ruth viele französische Freunde gehabt habe, und sie hoffte, mit deren Hilfe entlassen zu werden. Zu den Freunden Ruths gehörte auch Joë Bousquet.

Quelle: Garde (Gerda Michaelis/Groth), Mes années avec Soutine, Paris 1973, S. 109.

Gerda Groth, geb. Michaelis

Gerda Groth, geb. Gerda Michaelis aus einer jüdischen Magdeburger Kaufmannsfamilie. Sozialistische Aktivistin, sie heiratete 1930 den protestantischen Architekten Hermann Groth. G.G. verlässt Deutschland, als die Nazis die Macht ergreifen, um in der Normandie, dann in Paris Zuflucht zu suchen. Ihr Ehemann wird geschieden. Ohne Ressourcen kehrte sie nach Deutschland zurück (1935). Sie wird bei der Gestapo angezeigt und muss den ersten Zug nach Paris nehmen. Seine Familie wird während des Krieges verschwinden.

Quelle: Clarisse Nicoideski „Soutine oder Entweihung“, JC Lattès – 1993, S. 206 ff.

Flucht?

„Der Vater sagt: ‚Wir sind nicht mehr auf der Flucht. Wir sind Deutsche. Urlauber an der Riviera.‘

‚Deutsche! Deutsche Juden sind wir!‘

‚Ich kann es in der Schweiz nicht mehr aushalten‘, sagt die Mutter. ‚Wir machen in Rapallo Ferien und gehen zurück in die Heimat.‘

‚Deutschland ist nicht mehr unsere Heimat‘, sagt Felix. ‚Wollt ihr nach Osnabrück? Dort schlagen sie euch den Schädel ein.‘

‚Nicht nach Osnabrück‘, sagt der Vater. ‚In eine große Stadt, wo wir nicht auffallen. Ich denke an Köln.‘

‚Ich begreife euch nicht. Heimweh habe ich auch. Aber deswegen gehe ich doch nicht zu dem Nazipöbel zurück.‘“

Aus: Hans Joachim Schädlich, Felix und Felka, Reinbek bei Hamburg 2018, S. 26.

Die Eltern wohnten in Köln am Sachsenring 93. Nach dem Mai 1939 fliehen Philipp und Rahel Nussbaum nach Amsterdam. Sie werden am 11. Februar 1944 in Auschwitz ermordet. Der Sohn, Felix, wird nach dem 22. September 1944 in Auschwitz ermordet. Seine Frau, Felka Platek, wird am 2. August 1944 in Auschwitz ermordet.  Ihre Eltern werden ermordet. Der Bruder von Felix, Justus Nussbaum, wird in Stutthof ermordet, ebenso dessen Familie, die in Auschwitz ermordet wird.