Ein Exilmuseum in Berlin?

Herta Müller fordert ein Exilmuseum in Berlin. Sie hatte dazu eine Tagung initiiert, die im Literaturhaus Berlin im November stattfand. In einem Interview sagte sie: „Aber das Exil ab 1933, die Vertreibung von Hunderttausenden Deutschen ins Ausland, ist eine Leerstelle in der Museumslandschaft. Es ist wie eine stillgestellte Zeit, die wir bis heute nicht an uns heranlassen.“

Absolut richtig.

Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es sehr wohl viel Forschung gibt, dass aber das Thema selber in der Öffentlichkeit, in der Gesellschaft noch nicht angekommen sei, und dass die Politik nur schwer dafür zu begeistern sei.

Ganz im Gegensatz zum Thema „Flucht und Vertreibung“ aus den östlichen Gebieten. Hierzu wird es bald ein entsprechendes Museum geben.

Die Stolpersteine zeigen immer wieder, dass das Thema „Exil“ ein Weg in die Gegenwart ist: An den Verlegungen nehmen immer wieder Verwandte teil, die Nachkommen derer sind, die in der NS-Zeit flüchteten und überlebten. Sehr häufig initiieren diese Nachkommen überhaupt erst die Erinnerung und das Gedenken an ihre Verwandten.

Unbemerkt und unauffällig ist das Thema also bereits in der deutschen Gedenktopografie angekommen.

Das Interview: http://www.morgenpost.de/kultur/article208752879/Deutschland-steht-nicht-gut-da-findet-Herta-Mueller.html

Ein Bericht über die Tagung im Literaturhaus Berlin: http://www.deutschlandfunk.de/tagung-in-berlin-braucht-deutschland-ein-exilmuseum.691.de.html?dram:article_id=371860

Gerda Groth 5

Nach den Mitteilungen des Schriftstellers Ralph Dutli, versuchten insbesondere der Schriftsteller Joe Bousquet und der Maler Raoul Ubac die beiden Frauen freizubekommen. Gerda Groth hatte gefälschte Papiere auf den Namen „Marie Dupas“. Möglicherweise hat ihr das das Leben gerettet.

Gerda Groth 4

In dem Roman von Ralph Dutli, Soutines letzte Fahrt, wird Gerda Groth ein ganzes Kapitel gewidmet: „Mademoiselle Garde und das nichtige Glück“, S. 206-224.

Dem Schriftsteller verdanke ich weitere Informationen: Gerda Michaelis, so ihr Mädchenname, heiratete 1930 den Architekten Hermann Groth. Sie ist in Magdeburg geboren.

In der Datenbank des Koblenzer Gedenkbuches finde ich die Schwester. Alice Michaelis, geboren am 19.10.1905 in Magdeburg, deportiert am 29. Januar 1943 von Berlin aus nach Auschwitz. Ihr letzter Wohnort war Berlin-Wilmersdorf.

Möglicherweise hieß die 2. Schwester Margot, geboren am 5. Juni 1914 in Magdeburg, auch sie wohnte in Berlin-Wilmersdorf, auch sie wurde am 29. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert.

Auch ihre Mutter soll ermordet worden sein. Den Namen kenne ich im Moment noch nicht.

Ebenso den des Vaters.

Gerda Groth 2

Sie war über mehrere Jahre die Lebenspartnerin von Chaim Soutine (1893-1943, Paris), einem jüdischen Maler aus Weissrussland, der seit 1913 in Paris lebte.

Sie trafen sich 1937. Er gab ihr den Spitznamen „Mlle Garde“ (Mademoiselle Wache, seine ‚Beschützerin‘). Sie wurde ab Mai 1940 im Internierungslager Camp de Gurs festgehalten.

Danach trennten sich ihre Wege.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Soutine

Wiedergutmachung 17

In den Wiedergutmachungsakten befindet sich auch das Originaltelegramm, das die Verhaftung  von Ruth Kronenberg  der Familie meldet.

Es  lautet:

„Ruth internee malheureuse tentez tout amities, Gerda Groth.“

Es kam aus Carcassonne und ging an den Bruder Marc in London.

Das Telegramm ist auf den 8. September 1942 datiert. Zu diesem Zeitpunkt ist Ruth Kronenberg bereits in Drancy/Paris.

Nur drei Tage später wird sie nach Auschwitz deportiert.