Gerda Groth, geb. Michaelis

Gerda Groth, geb. Gerda Michaelis aus einer jüdischen Magdeburger Kaufmannsfamilie. Sozialistische Aktivistin, sie heiratete 1930 den protestantischen Architekten Hermann Groth. G.G. verlässt Deutschland, als die Nazis die Macht ergreifen, um in der Normandie, dann in Paris Zuflucht zu suchen. Ihr Ehemann wird geschieden. Ohne Ressourcen kehrte sie nach Deutschland zurück (1935). Sie wird bei der Gestapo angezeigt und muss den ersten Zug nach Paris nehmen. Seine Familie wird während des Krieges verschwinden.

Quelle: Clarisse Nicoideski „Soutine oder Entweihung“, JC Lattès – 1993, S. 206 ff.

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Flucht?

„Der Vater sagt: ‚Wir sind nicht mehr auf der Flucht. Wir sind Deutsche. Urlauber an der Riviera.‘

‚Deutsche! Deutsche Juden sind wir!‘

‚Ich kann es in der Schweiz nicht mehr aushalten‘, sagt die Mutter. ‚Wir machen in Rapallo Ferien und gehen zurück in die Heimat.‘

‚Deutschland ist nicht mehr unsere Heimat‘, sagt Felix. ‚Wollt ihr nach Osnabrück? Dort schlagen sie euch den Schädel ein.‘

‚Nicht nach Osnabrück‘, sagt der Vater. ‚In eine große Stadt, wo wir nicht auffallen. Ich denke an Köln.‘

‚Ich begreife euch nicht. Heimweh habe ich auch. Aber deswegen gehe ich doch nicht zu dem Nazipöbel zurück.‘“

Aus: Hans Joachim Schädlich, Felix und Felka, Reinbek bei Hamburg 2018, S. 26.

Die Eltern wohnten in Köln am Sachsenring 93. Nach dem Mai 1939 fliehen Philipp und Rahel Nussbaum nach Amsterdam. Sie werden am 11. Februar 1944 in Auschwitz ermordet. Der Sohn, Felix, wird nach dem 22. September 1944 in Auschwitz ermordet. Seine Frau, Felka Platek, wird am 2. August 1944 in Auschwitz ermordet.  Ihre Eltern werden ermordet. Der Bruder von Felix, Justus Nussbaum, wird in Stutthof ermordet, ebenso dessen Familie, die in Auschwitz ermordet wird.

Isolani, Stadt ohne Männer

Isolani schildert Episoden aus dem Camp: die Ehefrau, die im Camp auf die Geliebte ihres Mannes trifft; ein im Lager geborenes Kind soll adoptiert werden; eine Schauspielerin, die 10 Tage vor ihrem 55. Geburtstag interniert wird; eine Tochter findet ihre Mutter im Lager (die Tochter hatte mit dem Vater Deutschland verlassen, während die nicht-jüdische Mutter in Deutschland bliebt); über eine Frau, die ihren Mann in dem Lager für die Spanier entdeckt; sie schreibt über die Tristesse, die graue Lehmwüste des Lagers, über die „Eintönigkeit dieser endlosen Barackenstadt“; über französische Frauen, die plötzlich erfahren, dass sie Deutsche („Papierdeutsche“) sind (und deshalb interniert werden) und denen ebenso das Wasser am Bahnhof in Dax verweigert wurde („Attention! Les Femmes des Boches,ne donnez pas de l’eau!“); und über das Briefeschreiben, denn Briefe sind „das letzte, kostbarste Stückchen Freiheit, das den gefangenen Frauen geblieben ist“, wobei Frauen im Lager, die niemandem schreiben können, ihre Adressen verkaufen (Erfindung von Gaby aus der Baracke 14!), um so anderen es zu ermöglichen, die Anordnung umgehen zu können, nur einen Brief und eine Postkarte pro Woche schreiben zu dürfen; dank Lagerhaft Emanzipationsprozess?

Der Roman ist aber merkwürdig unpolitisch. Es werden keine Verursacher der Situation benannt.

Manche Misshelligkeit ist angesichts des weiteren Schicksals vieler Gurs-Internierten belanglos.

Flüchtlinge als Feinde

„Man war jung und stark und ohne Uniform, mit einem fremden Akzent und mit ausländischen Papieren. Das konnte nur ein Spion sein … Vier oder fünf dieser harmlosen Flüchtlinge, die nur zu ihren Frauen wollten, – nichts sonst auf der Welt – haben sie brutal aus den Waggons gezerrt und als ‚fünfte Kolonne‘ blau geprügelt. […] Denkt auch, Kinder, wenn es nicht so traurig wäre, es ist direkt zum Lachen: Unsere armen jüdischen Männer, die über drei und vier Grenzen hinweg geflohen sind. […] Aber es soll sehr schwer gewesen sein, hat mir einer erzählt, diesen völlig verirrten und verängstigten Franzosen, die noch ganz niedergeschmettert von ihrer Niederlage sind, einmal klar zu machen, wer wir Emigranten eigentlich sind und auf welcher Seite wir stehen…“

Gertrud Isolani, Stadt ohne Männer, Zürich 1945, S. 284f.

Migrationspakt

Es ist das erste Abkommen, das globale Richtlinien für die internationale Migrationspolitik festlegt. An den Verhandlungen über den Pakt waren insgesamt 192 Staaten beteiligt gewesen. Doch nicht alle stellten sich letztendlich hinter die Leitlinien. 28 Länder – darunter die USA, Österreich und Ungarn – lehnten den Pakt ab.

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/un-migrationspakt-127.html

Kameradinnen

„Kameradinnen, ich weiß wohl, es ist Frankreich, oder besser gesagt, der französische Staat, der uns hier gefangen hält. Und trotzdem ist Frankreich uns Emigranten teuer. Wir haben eine schmerzlich tiefe und oft unerwiderte, tragische Liebe zu diesem Land, in das wir uns flüchteten, und das uns eine zweite Heimat geworden ist. […] Gott schütze Frankreich, Vive la France!“

Gertrud Isolani, Stadt ohne Männer, Zürich 1945, S. 275f.