Stolperschwelle

Am 30. Oktober 2017 wurde in Buenos Aires (Argentinien) zum ersten Mal außerhalb Europas ein STOLPERSTEIN, in diesem Fall eine so genannte STOLPERSCHWELLE, verlegt. Über die Gründe war zu lesen: „‘Die Thematik der Geflüchteten ist im Moment so brandaktuell, dass wir mit der Stolperschwelle in der Pestalozzi-Schule [in Buenos Aires] darauf aufmerksam machen wollen: die Flüchtlinge sind auch Opfer gewesen‘, sagte Anna Warda vom Projekt Stolpersteine.“

Die STOLPERSCHWELLE wurde vor der Pestalozzi-Schule in Buenos Aires verlegt, weil an dieser Schule sowohl zahlreiche Schüler als auch Lehrer, die zuvor aus Nazi-Deutschland geflüchtet waren, lernten und lehrten. Auf der Schwelle steht u.a.: „Die Schule hat mir ein Gefühl der Geborgenheit gegeben und das Trauma der Emigration erleichtert.“

Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Stolperstein-ehrt-Schule-in-Buenos-Aires-article20110155.html

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Die Liste

Die Künstlerin Banu Cennetoglu hat die Namen von 33.293 Menschen erfasst, die auf der Flucht nach Europa gestorben sind, und in einer Liste aufgezählt, die u.a. im Berliner TAGESSPIEGEL am 9. November 2017 veröffentlicht wurde.

Seit dem 6. November sind mindestens 5 Namen dazu gekommen, die gerettet hätten werden können, wenn die libysche Küstenwache sich entsprechend verhalten hätte. Aber: „Ihr ganzes Verhalten war ganz klar nicht darauf ausgerichtet, Menschen zu retten.“ (Pia Klemp, Sea Watch, Kölner Stadt-Anzeiger v. 10.11.2017).

Ein Bericht über die dramatische Aktion unter: https://sea-watch.org/dramatischer-rettungseinsatz-sea-watch-3/

Der ununterbrochene Strom der Abfahrtsbesessenen

„Der Strom schwoll an, Tag um Tag, ja von Stunde zu Stunde. Und keine Netze von Polizisten und keine Razzien, und keine drohenden Konzentrationslager und keine noch so harten Verordnungen des Präfekten von Bouche du Rhone konnten verhindern, dass der Zug abgeschiedener Seelen in Überzahl blieb gegen die Lebenden, die hier ihre festen Siedlungen hatten. Für Abgeschiedene hielt ich sie, die ihre wirklichen Leben in ihren verlorenen Ländern gelassen hatten …“

Quelle: Anna Seghers, Transit, Konstanz 1948, S. 126.

Durchflüchtet

„Vor meinen Augen strömte sie an, mit ihren zerrissenen Fahnen aller Nationen und Glauben, die Vorhut der Flüchtlinge. Sie hatten ganz Europa durchflüchtet, doch jetzt vor dem schmalen, blauen Wasser, das unschuldig zwischen den Häusern glitzerte, war ihre Weisheit zu Ende. … Schon rückte der Tod immer dichter nach mit seiner noch immer unversehrten, knarrenden Hakenkreuzfahne.“

Quelle: Anna Seghers, Transit, Konstanz 1948, S. 78f.

Visa de Sortie

Lese z.Zt. Anna Seghers Roman „Transit“. Mir ist, als schlüge der Roman ständig Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Als sei das Vergangene auf geradezu unheimliche Art und Weise gegenwärtig geworden:

„Letzte Woche habe man ihm das Visa de Sortie gewährt, er warte jetzt Tag und Nacht auf die Verlängerung des Kontraktes, die ja dann ihrerseits die Verlängerung des Visums bedinge. Die aber sei die Vorbedingung für die Gewährung des neuen Transits. Ich fragte verwirrt, was das bedeute: Visa de Sortie? … Er sagte: ‚Das ist die Erlaubnis, Frankreich zu verlassen. …‘ – ‚Welche  Zweck soll das haben, Menschen zurückzuhalten, die doch nichts sehnlicher wünschen, als ein Land zu verlassen, in dem man sie einsperrt, wenn sie bleiben?‘ … ‚Die Deutschen lassen sich nicht die Gelegenheit nehmen, die Menschen durchzukontrollieren, die aus Europa abziehen. …‘ ‚Gut. Gut. … was hat das für eine Bedeutung mit dem Transit?‘ Er sagte: ‚ … Ein Transit – das ist die Erlaubnis, ein Land zu durchfahren, wenn es feststeht, dass man nicht bleiben will.‘“

Quelle: Anna Seghers, Transit, Konstanz 1948, S. 52f.

„Ich schäme mich.“

Die Ergebnisse des Pariser Flüchtlingsgipfels werden das Elend nicht bekämpfen, sondern nur verlagern, meint Georg Restle. Kanzlerin Merkel opfert Völker- und Menschenrechte, um die Flüchtlingszahlen zu drücken. Die deutsche Flüchtlingspolitik ist eine Schande.

Ich gebe zu: Ich schäme mich! Ich schäme mich für diese Flüchtlingspolitik, die da in Paris verhandelt wurde. Eine Politik, die von der deutschen Bundeskanzlerin wesentlich mitbestimmt wird – und die eine einzige Schande ist – für dieses Land und für diesen Kontinent. […]

Ihr [der Bundeskanzlerin, d. A.] geht es darum, die Flüchtlingszahlen nach unten zu treiben. Koste es, was es wolle. Und sei es der Verzicht auf unsere grundlegenden Werte: das Völkerrecht, die Menschenrechte, die Humanität.“

Quelle: https://www.tagesschau.de/kommentar/fluechtlingsgipfel-167.html