Durchflüchtet

„Vor meinen Augen strömte sie an, mit ihren zerrissenen Fahnen aller Nationen und Glauben, die Vorhut der Flüchtlinge. Sie hatten ganz Europa durchflüchtet, doch jetzt vor dem schmalen, blauen Wasser, das unschuldig zwischen den Häusern glitzerte, war ihre Weisheit zu Ende. … Schon rückte der Tod immer dichter nach mit seiner noch immer unversehrten, knarrenden Hakenkreuzfahne.“

Quelle: Anna Seghers, Transit, Konstanz 1948, S. 78f.

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Visa de Sortie

Lese z.Zt. Anna Seghers Roman „Transit“. Mir ist, als schlüge der Roman ständig Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Als sei das Vergangene auf geradezu unheimliche Art und Weise gegenwärtig geworden:

„Letzte Woche habe man ihm das Visa de Sortie gewährt, er warte jetzt Tag und Nacht auf die Verlängerung des Kontraktes, die ja dann ihrerseits die Verlängerung des Visums bedinge. Die aber sei die Vorbedingung für die Gewährung des neuen Transits. Ich fragte verwirrt, was das bedeute: Visa de Sortie? … Er sagte: ‚Das ist die Erlaubnis, Frankreich zu verlassen. …‘ – ‚Welche  Zweck soll das haben, Menschen zurückzuhalten, die doch nichts sehnlicher wünschen, als ein Land zu verlassen, in dem man sie einsperrt, wenn sie bleiben?‘ … ‚Die Deutschen lassen sich nicht die Gelegenheit nehmen, die Menschen durchzukontrollieren, die aus Europa abziehen. …‘ ‚Gut. Gut. … was hat das für eine Bedeutung mit dem Transit?‘ Er sagte: ‚ … Ein Transit – das ist die Erlaubnis, ein Land zu durchfahren, wenn es feststeht, dass man nicht bleiben will.‘“

Quelle: Anna Seghers, Transit, Konstanz 1948, S. 52f.

„Ich schäme mich.“

Die Ergebnisse des Pariser Flüchtlingsgipfels werden das Elend nicht bekämpfen, sondern nur verlagern, meint Georg Restle. Kanzlerin Merkel opfert Völker- und Menschenrechte, um die Flüchtlingszahlen zu drücken. Die deutsche Flüchtlingspolitik ist eine Schande.

Ich gebe zu: Ich schäme mich! Ich schäme mich für diese Flüchtlingspolitik, die da in Paris verhandelt wurde. Eine Politik, die von der deutschen Bundeskanzlerin wesentlich mitbestimmt wird – und die eine einzige Schande ist – für dieses Land und für diesen Kontinent. […]

Ihr [der Bundeskanzlerin, d. A.] geht es darum, die Flüchtlingszahlen nach unten zu treiben. Koste es, was es wolle. Und sei es der Verzicht auf unsere grundlegenden Werte: das Völkerrecht, die Menschenrechte, die Humanität.“

Quelle: https://www.tagesschau.de/kommentar/fluechtlingsgipfel-167.html

Gegenwärtige „Flüchtlingskrise“ und NS-Vergangenheit: „Überkompensation unserer schwierigen Vergangenheit“?

Gauland erklärte, dass der im Grundgesetz verankerte subjektive Asylanspruch „eine Überkompensation unserer schwierigen Vergangenheit“ der Nazizeit sei.

Quelle: http://start.de.lenovo.com/news/read/category/topthemen/article/afp-afd_will_mittelmeerroute_ab_anfang_september_volls-afp; ähnlich auch https://www.tagesschau.de/inland/afd-asylpolitik-101.html

Gegenwärtige „Flüchtlingskrise“ und NS-Vergangenheit

Was die gegenwärtige „Flüchtlingskrise“ mit der NS-Vergangenheit und dem Gedenken daran zu tun hat? O-Ton Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD, in einem Interview der WELTWOCHE: „Den Deutschen ist ununterbrochen klargemacht worden, dass sie schwere Schuld auf sich geladen haben. Viele glauben, dass sie durch die Flüchtlingspolitik ein Stück dieser Schuld abtragen. Den Ungarn, Polen oder Slowaken kann man nicht einreden, dass sie 50000 Afrikaner aufnehmen müssen, weil sie sechs Millionen Juden umgebracht haben.“

Dieser Politiker und seine Partei dürfen nie eine verantwortliche Position in Deutschland erringen.

Quelle: „Es muss nicht gleich eine Mauer sein“, Interview von Wolfgang Koydl mit Alexander Gauland, in: Weltwoche, Nr. 32/2017, S. 44–45, S. 45.